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Der glutenfreie Haushalt einer (halb)glutenfreien Familie

Ein Leben mit Zöliakie bedeutet ein Leben lang komplett auf Gluten zu verzichten. Selbst die geringste Menge - sprich kleinste Krümel glutenhaltigen Getreides - sind zuviel und können den Darm langfristig schädigen.

 

Der Gedanke, dass wir alles Glutenhaltige aus unserem Haus verbannen, kam natürlich sofort. Wir möchten nur das Beste für unser Kind und Lea-Marie soll ein gesundes Leben führen.

 

Es gibt aber andererseits vielerlei Dinge, die dagegen sprechen, dass wir anderen auch nur noch glutenfrei essen, wodurch wir uns dazu entschieden haben, nicht auf komplett glutenfreie Kost für die ganze Familie umzusteigen. Lea-Marie isst natürlich ausschließlich glutenfrei.

 

 

 

 

 

 

 

Unsere Gründe für eine nur halb-glutenfreie Ernährung der ganzen Familie sind:

  • Luisa muss bis zu ihrem 2. Lebensjahr nach Anweisung der Ärzte glutenhaltig essen, damit wir mit 2 Jahren anhand eines Bluttests testen lassen können, ob sie die genetische Veranlagung zur Zöliakie hat
  • Die Meinungen, ob eine ganzheitliche glutenfreie Ernährung für Menschen, die Gluten gut abbauen können, gesund ist oder zu späteren Intoleranzen führen kann, gehen weit auseinander
  • Glutenfreie Kost - egal ob fertig gekauft, oder selbst gemacht - ist um ein Vielfaches teurer als "normale" Produkte und auch nach wie vor nicht flächendeckend verfügbar

Das Mittagessen ist dennoch eine Sache, die wir aus "Handling"-Gründen immer komplett glutenfrei kochen. Bei gewissen Dingen, wie beispielsweise Nudeln, müssten sonst immer zwei Mengen in zwei Töpfen gekocht werden. Und beim Kleinschneiden der Gerichte für Lea-Marie können wir so unser eigenes Besteck verwenden und müssen einfach auf nichts achten.

 

Manche Gerichte wie Lasagne beispielsweise lassen sich ja auch nicht trennen. Hier müsste man dann gleich zweimal eine komplette Lasagne kochen. Das ist uns zu aufwendig. Dadurch ist das Mittagessen glutenfrei.

 

Beim Frühstück und Abendessen haben wir nur glutenfreie Produkte auf dem Tisch.

Lea-Marie isst jedoch als einzige glutenfreies Brot oder glutenfreie Cornflakes. Wir anderen essen normales Brot vom Bäcker.

Das bedeutet, dass wir die Aufbewahrung und das Auspacken unserer Brote räumlich strickt trennen. Beides liegt nicht auf unserem Esstisch, sondern am jeweils anderen Ende der Kochinsel, sodass keine Krümel überspringen können.

 

Wenn wir unser Brot in den Händen hatten, Waschen wir die Hände oder putzen sie feucht ab, bevor wir Lea-Maries Essen anfassen. 

 

Lea-Marie hat ihr eigenes Besteck und ihre eigene Butter/Margarine/Frischkäse - gekennzeichnet mit ihrem Namen.

 

Für das Verteilen anderer Produkte wie Käse/Wurst verwenden wir zentrales Besteck und nicht unser eigenes. Ebenso bei Marmelade oder Honig. Hier geht man nur mit den extra zugehörigen Löffeln rein und achtet darauf nicht das glutenhaltige Brot zu berühren.

 

Mit dieser wichtigen Anweisung werden auch unsere Gäste vertraut gemacht, die immer sehr bemüht sind und sehr viel nachfragen. Wenn doch schon mal versehentlich das eigene Besteck verwendet wurde, wird das Produkt gekennzeichnet und ist nicht mehr für Lea-Marie. Sie bekommt dann einfach wieder ein Frisches - spätestens am nächsten Tag.

 

Ich muss sagen, dass diese "Handling"-Geschichten zu Beginn sehr viel Konzentration gekostet haben. Was legt man jetzt wo hin? Was kann ich wie wo drauf legen und was muss ich beachten?

Mittlerweile hat sich das aber hier bei uns im Haushalt sehr gut eingespielt. Alles geschieht schon automatisch und ist zur Gewohnheit geworden.

 

Aber ja, eine Sache war da ja noch mit meinem Freund dem Staubsauger!

Luisa ist jetzt 16 Monate alt. Jeder, der ein Kind in dem Alter hat, weiß, wie sie essen. Wie die kleinen Schweinchen! Krümel überall um sie herum! Daher stehen alle Lebensmittel weit weg von Luisa - und auch aus dem Grund, dass sie sowieso nur ständig versuchen würde reinzugreifen.

 

Trotzdem heisst es für uns nach jedem Frühstück und Abendessen alles akribisch abzusaugen. Unter dem Tisch, neben dem Tisch, ihren Stuhl, in der Küche um die Kochinsel herum. Der Tisch muss gut abgewischt werden, Luisas Kleidung gut abgeklopft werden und und und...

 

Sauberkeit ist und war mir schon immer sehr wichtig. Hätte ich allerdings erwartet den Staubsauger täglich >10 mal in der Hand zu haben? Äääähm, nein. Aber gut. Es ist wie es ist und nach den letzten Bluttests von Lea-Marie zu urteilen, schaffen wir es bisher auch ausreichend KRÜMELLOS zu sein! :)

 

Wie geht ihr mit dieser Situation um? Verzichten bei euch nun auch alle auf Gluten? Oder macht ihr es wie wir? Welche Möglichkeiten gibt es noch? 

 

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